Personalisierte Suche: Google vs. Facebook

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In der Sonntagszeitung vom 27.01.2013 schrieb David Bauer eine interessante Kolumne. Er thematisierte die neue Facebook Suche im Vergleich zu Google. Allerdings hat er meines Erachtens einen wichtigen Fakt nicht beachtet. Google und Facebook verwenden zwei ganz verschiedene Ansätze als Basis der personalisierten Suche. Google verwendet vorwiegend das Verhalten des Users und Facebook benutzt als Datenbasis all die freiwilligen Angaben der User. Das hat meiner Meinung nach folgen bei der Qualität der Suche. Dazu später mehr.

“Die Art, wie Google das Netz durchsucht, war lange Zeit für praktisch alle Bedürfnisse die effizienteste.” schreibt David Bauer. Facebook greift nun Google mit der neuen Suche in diesem Punkt an. Was interessant ist, dass wir auf Facebook Resultate geliefert bekommen, welche von unseren verlinkten “Freunden” auf Facebook validiert sind. Sprich, je höher die Reputation eines Freundes bei mir ist, desto schneller habe ich Vertrauen in das Suchresultat, welches mir Facebook präsentiert. Sei es ein Buch, ein Restaurant oder eben auch eine Person, welche ein Profil auf Facebook hat. Klar, die Facebook Suche kann noch viel mehr, aber auf das will ich hier nicht eingehen. Mehr dazu gibt’s bei Thomas Hutter „Facebook: Suche im Social Graph“.

Jedoch ist Google auf diesem Gebiet alles andere als untätig, sondern verfolgt mit Google+ genau das selbe Ziel: Suchresultate personalisieren und durch eine Person, welche mit mir befreundete oder mir zumindest bekannt ist, zu verifizieren.

Personalisierte Suche auf Google und Facebook

Nun gibt es aber einen grossen Unterschied zwischen Google und Facebook in der Art und Weise wie die Personalisierung stattfindet.

Bei Facebook werden vorwiegend Daten genutzt, welche ich als User freiwillig an- und freigebe. Oder Daten, welche ich angegeben habe, um ein gewisses Image zu repräsentieren. Ein Facebook-Profil muss also mit gewisser Vorsicht betrachtet werden. Was ist wahr und was nicht? Ein Beispiel von mir: Ganz am Anfang nahm ich mir die Zeit, mein Facebook-Profil so gut wie möglich auszufüllen. Aber auch stets mit dem Gedanken, wie die Angaben, die ich auf Facebook preisgebe, gegen Aussen wirken. Nun ist es allerdings nicht so, dass ich alle paar Wochen mein Facebook-Profil pflege, um es aktuell zu halten. Ich trage auch nicht alle meine Ferien etc. ein. Warum? Weil nicht mein ganzes Leben im Internet dokumentiert sein muss und ich, wie viele andere auch, gerne eine gewisse Privatsphäre habe. Es kann also davon ausgegangen werden, dass eine Mehrheit der Facebook-Profile alles andere als komplett sind oder sogar auf falschen Angaben beruhen (Imagepflege).

Wie wird nun bei Google die Suche personalisiert? Google hat zwei Möglichkeiten: Die erste bedingt, dass die suchende Person ein Google+ Profil hat. Wer unter google.com sucht und eingeloggt ist bekommt bereits heute zeitweise personalisierte Suchresultate. Auf google.ch ist dies im Moment noch nicht der Fall. Wir sind in der Schweiz noch auf einer älteren Google-Version unterwegs. Google hat noch einen zweiten grossen Vorteil, wie Suchresultate personalisiert werden können. Dieser basiert auf meinem Suchverhalten. Ich persönlich denke, dass dies die beste Grundlage für eine personalisierte Suche ist. Google kann mir also Suchresultate basierend auf meinem Suchverhalten liefern. Unbestätigten Quellen zufolge weiss Google bereits nach durchschnittlich acht Sucheingaben von mir mein Geschlecht, mein ungefähres Alter, wo ich mich im Moment befinde und was meine Interessen sind. Was Google bereits von mir weiss, kann unter Ads Preference im Google Account nachgeschaut werden. Bei mir sieht dies so aus:

Google Search Profil - Personalisierte Suche

Aufgrund meiner Google Suche hat Google dieses Profil erstellt.

 

Grob zusammengefasst wird Facebook mir personalisierte Suchresultate liefern, welche auf Angaben von Personen basieren. Google dagegen wird einen Mix liefern zwischen Angaben von Personen und meinem Suchverhalten. Ich denke, dass die Datengrundlage für die personalisierte Suche bei Google genauer ist. Was heisst das für Facebook? Nichts. Weil Facebook andere Stärken hat. Ich denke, dass die Facebook interne Suche mit dem Facebook Search Graph viel besser werden wird. Hier liegt nämlich ein riesiges Potential Brach bei Facebook. Im Moment lässt die Facebook-Suche sehr viel zu wünschen übrig.

Bekanntlich ist YouTube die zweitgrösste Suchmaschine hinter Google. Wenn Facebook eine gut funktionierende interne Suche anbieten kann, könnte sich dies jedoch schnell ändern. Wieso? Weil die Leute nun einmal dort suchen wo sie sich befinden. Zudem wird auf Facebook viel Zeit verbracht. Auch finden mich auf Facebook Dinge. Facebook ist also auch Inspiration durch andere. Ich entdecke dank anderen Menschen Sachen, welche mir bisher unbekannt waren. Kuration ist einer der grossen Vorteile von Facebook, wobei Google in diesem Punkt noch im Abseits steht. Auf der anderen Seite bietet der Facebook Search Graph eine neue Art der Suche, welche durchaus ihren Reiz haben kann.

Mein Fazit: Ich denke nicht, dass Facebook im Moment grossen Druck auf Google ausüben wird. Klar kann sich das ändern, aber ich glaube, zurzeit hat Google die genauere Datengrundlage, um personalisierte Suchresultate zu liefern. Facebook dagegen wird eine verspieltere Suche anbieten, gespickt mit vielen privaten Insights von Menschen. Eine gute Voraussetzung, dass diese Suche gut bei den Usern ankommen wird.

Es bleibt spannend im Kampf um die Such-Vorherrschaft im Internet!

Was denkst du über die personalisierte Web-Suche?

 

Weiterführende Links:

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